Trenn dich!….

Trenn dich!….

Ja, trenn dich… das ist leicht gesagt. Oft und leicht. Vor allem als vermeintlich gut gemeinter Ratschlag anderen gegenüber. Trenn dich doch, wenn dir die Beziehung nicht passt, der Job langweilig oder sinnlos erscheint, die Wohnung zu klein oder zu groß ist. Und überhaupt las einfach los. Am besten alles, denn das Loslassen ist in der spirituellen Szene zum Allheilmittel schlechthin aufgestiegen. Wodurch? Vermutlich durch die Vorstellung, dass wir ohne alles endlich mal frei und sorglos sein könnten. Und so steht eher oder später eben alles auf dem Prüfstand unserer neuen und neusten Vorstellungen und Ansichten, wird kritisch von unserem Gemüt geprüft und, so sich über kurz oder lang kein positives Gefühl einstellt, zum „Loslassen“ freigegeben.

Mit der Zeit haben wir so manches durchlebt, und das bedeutet eben, dass wir erkennen müssen, dass wir weiterhin im Kontakt mit Personen, Situationen oder Gegenständen bleiben, von denen wir uns nur allzu gerne trennen würden. Nun gehen sie einfach nicht und wir häufig genauso wenig. Andererseits möchten wir in Beziehung oder im Besitz bleiben, weil es uns gut tut oder als wichtig, ja unerlässlich erscheint. Und siehe da, die Personen gehen, Umstände ändern sich von jetzt auf gleich und Gegenstände verschwinden, ohne auf uns auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen.

Irgendwann mal sind wir des Ganzen müde und überdrüssig geworden. Wir bemerken, dass vielleicht die Unzufriedenheit doch an uns liegen könnte. Ja, wir werden sogar wütend auf uns selbst und auf die Tatsache, dass wir immer noch Bedürftig sind, immer noch gerne etwas hätten und bräuchten. Was machen wir also mit all den Bedürfnissen? Wir bündeln sie zusammen und nennen das Bündel „Ego“. „Ego“ ist damit alles, was ich an mir entdecke und entgegen aller Bemühungen noch nicht losgeworden bin. Dann kommt der nächste Schritt und das Bündel genannt „Ego“ wandert auf den ersten Platz der zum Loslassen angefertigten Hitliste. Und spätestens jetzt wenden wir uns an die spirituelle Übung, denn sie scheint doch genau das Mittel ersten Wahl zu sein, um uns vom „Ego“ erfolgreich trennen zu können. Es gibt nämlich selten eine spirituelle Übung, die nicht eher oder später eine „Ich-Überwindung“ oder ein „Loslassen“ des Egos in Aussicht zu stellen meint. Auf jeden Fall so möchten wir es gerne verstehen.

Was passiert aber mit uns, wenn wir nach Jahren der „Übung“ feststellen, dass wir weiterhin wütend, traurig, hoffend oder verärgert auf bestimmte Umstände reagierten? Wie lange wird es noch dauern, bis wir merken, dass wir nichts wirklich loswerden können und das wir uns nie wirklich von jemanden oder von etwas trennen können und zwar deswegen, weil alles, absolut alles eins ist, gegenseitig bedingt erscheint und vergeht, ob das, ob es uns passt oder nicht?

Niemals standen wir auch nur einen Augenblick vor der Alternative etwas zu haben oder sich von etwas zu trennen. Niemals. Zum Sosein gibt es keine Alternative. Zum „Ego“ ebenfalls nicht. Wir leben in allem, mit allem, von allem und durch alles. Das bedeutet aber, dass wir uns nicht einmal von der Vorstellung einer Trennung und des Loslassens trennen können, sollen noch müssen. Was tun also? Das was ansteht. Sie wissen es schon….

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