Wege in die Freiheit

Wege in die Freiheit

„Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.“
Gabriel Laub

Zu den allerwichtigsten aktuellen Zielen vieler Menschen gehört zweifelslos der Wunsch frei zu sein. Das mag mehr als verständlich erscheinen, so wir uns darüber im klaren sind, was denn eigentlich die „Freiheit“ sein sollte. Bleiben wir jedoch dabei, dem Frei-Sein etwas genauer nachzuspüren, beginnen wir zu realisieren, dass die Freiheit alles andere als greifbar und festgelegt ist. Sie hat alle Eigenschaften eines Phantoms. Am häufigsten verbinden wir mit dem Frei-Sein die Möglichkeit so zu handeln, wie wir es gerade gerne möchten, also immer häufiger über die Möglichkeit zu verfügen, den eigenen Willen verwirklichen zu können. Noch deutlicher formuliert: frei zu sein bedeutet für uns schlicht und einfach nach Lust und Laune agieren zu können.

Sehen wir das so, dann bemerken wir nicht, dass damit unsere Freiheit die Abhängigkeit von Gefühlen, Impulsen, Meinungen und Konzepten darstellt. Anders formuliert: wir können nicht anders als eben diesen Gefühlen, Impulsen und Konzepten Raum geben zu müssen, sonnst ginge es uns nicht gerade berauschend gut. Damit wiederum wäre nichts Geringeres erkannt, als dass wir uns immer dann als unfrei bezeichnen müssten, wenn wir nicht das eigentliche Ziel der Freiheit erreichen würden, nämlich das Gefühl Glücklich zu sein. Damit taucht das nächste Phantom auf, nämlich das „Glücklich-Sein“. Das Glücklich-sein ist sehr eng an das Konzept der Freiheit angelehnt und, der Vorstellung von Freiheit ähnlich, entzieht es sich einer eindeutigen Festlegung. Warum? Weil, so auch hier die gängige Erklärung, jeder der Schmied seines eigenen Glücks sei, womit wir meinen erkannt zu haben, dass das Glück individueller Natur sei. Und auch das wäre akzeptabel, wenn es uns nicht zwangläufig zum nächsten Problem führen würde, nämlich der Frage nach dem Individuum oder noch deutlicher formuliert, zu der Frage aller Fragen, die da lautet: wer oder was ist dieses „Ich- bin-ich“, das da unbedingt frei und glücklich sein will.

Spätestens hier angekommen sollten wir bemerkt haben, dass sich unser Geist, einem Äffchen gleich, von einem Konzept-Ast zum nächsten schwing und das natürlich in der Überzeugung, immer festen Boden unter den Füssen zu haben.

Vielleicht besteht das Erwachen unter anderem gerade darin, schlagartig zu realisieren, dass es weder Äste noch Bäume noch festen Boden an sich gibt, sondern dass alles Erscheinungen unseres Geistes sind, uns mit inbegriffen. Damit wären Freiheit und Glück und Ich auch nichts anderes als genau das, was sich jetzt, im eben diesen Augenblick, unser Denken darunter vorstellt. Genau das und nichts anderes. Einverstanden oder verwundert?

Kann uns diese Art des Erwachens weiterbringen auf dem Weg zur Freiheit und dem Glücklich-Sein? Ja, das kann sie. Weshalb? Weil wir endlich frei wären vom Freisein-Müssen und das Glücklich-Sein-Wollen würde ebenfalls aufhören als Endziel aller unserer Handlungen fungieren zu müssen. Dann und nur dann wäre Gegenwart. Einfach und unspektakulär. Ein Schmunzeln, der Schritt, eine Träne, diese Berührung oder der Ton. Wir wären im Vollzug des Geschehens angekommen, weil wir in Wirklichkeit niemals woanders waren und es auch nicht wirklich sein konnten.

Das Fieber des Suchens wäre plötzlich weg und mit ihm die fieberhaften Vorstellungen vom Besser-Sein. Alles steht genau dort, wo es stehen sollte und ereignet sich genau so, wie es sich ereignen sollte und der Zeitpunkt ist ebenfalls genau er richtige. Haben wir etwas erreicht? Müssen wir es Konzeptualisieren? Sollen wir dem „Jetzt“ einen Namen geben? Sie können es tun, ich übrigens auch, aber lass uns bitte Kosenamen verwenden.

 

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