In Zeiten des Coronavirus

In Zeiten des Coronavirus

Seit einigen Tagen erleben wir, wie unser bislang gewohntes und sicheres Leben immer mehr durcheinander gerät. Schulen, Universitäten, ja ganze Länder werden geschlossen, Reisen untersagt, die Regale leer gekauft und überall erhöhte Hygienemaßnahmen angeordnet. Es fällt uns nicht leicht zu sehen, was von den zahlreichen Aktionen sachlich wirklich sinnvoll ist und was Ausdruck von Angst, ja Panik ist. Und so reagieren manche von uns mit Schulterzucken und Unverständnis, andere jedoch mit panischen Hamsterkäufen und Rückzug in die eigenen vier Wände.

Deswegen ist es an der Zeit ganz persönlich inne zu halten, um nachzuspüren und zu überlegen, in welcher sachlichen und emotionalen Situation ich mich gerade befinde. Sowohl Schulterzucken und so weitermachen wie bisher als auch panischer Rückzug mit Horrorszenarien sind als Extremvarianten durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig jedoch spricht vieles dafür, dass dies eben nicht zu den adäquaten Reaktionen gehört. Beide Verhaltensweisen zeigen nämlich wenig Kontakt zur Realität, indem sie diese entweder ignorieren oder aber unsere Verbindung und Vernetzung mit anderen Menschen außer Acht lassen.

Was also tun? Auf der einen Seite müssen wir uns dem Wissen und den Anordnungen der Experten und Behörden fügen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Damit wir jedoch unsere Mitmenschen und uns selbst nicht aus den Augen verlieren und in Panik geraten, sollten wir uns ganz bewusst der Angst stellen. Wenn diese Angst unbeachtet zur Panik wird, macht sie uns blind, für die Mitmenschen und die eigentliche Sachlage.

Ja, es ist richtig, dass uns gerade diese Situation vor Augen führt, wie fragil nicht nur unsere Gesundheits- und Wirtschaftssysteme sind, sondern vor allem wir selbst.

Trotz zahlreicher Errungenschaften erleben wir, dass wir das Leben nicht unter Kontrolle haben. Das bedeutet auch, dass es – allen Maßnahmen zum Trotz – keine absolute Sicherheit geben kann und geben wird.

Wir sind immer schon auf das aufmerksame und besonnene Entgegenkommen unserer Mitmenschen angewiesen. Dies funktioniert aber nur dann wirklich, wenn wir selber in der Lage bleiben, uns besonnen und entgegenkommend zu verhalten. Daher gibt es auch keinen wirklichen 100%igen Schutz, weil wir die Unterstützung, Hilfe und evtl. auch Pflege unserer Mitmenschen benötigen.

Somit wird von uns allen Umsichtigkeit verlangt, eine Haltung, welche die Angst nicht negiert oder herunterspielt, sondern sich geradezu darin zeigt, die persönliche und kollektive Angst in eine neue Haltung zu verwandeln, die sich als eine erhöhte Aufmerksamkeit, Wachheit und Mitmenschlichkeit zeigt – gerade in der Begegnung mit der Unsicherheit des Lebens an sich.

Welch eine Herausforderung für den Alltag unserer kontemplativen Haltung!

Alexander Poraj

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